Das bunte Grauen hat endlich ein Ende!

Mein ältestes UFO ist endlich fertig! Hier gibt es die ganze Geschichte dazu:



Mein Weg zum Patchwork war ein klassischer. Der Bruder wird Vater, also muss eine Babydecke als Geschenk her. Da ich unter Zeitdruck und mit Abgabetermin immer sehr gut arbeite, war diese auch pünktlich fertig und kam bei den Beschenkten auch sehr gut an. 

Für mich war es aber zu spät. Ich war mit dem vielzitierten Patchwork-Virus infiziert! Also hab ich ebenfalls die klassische Vorgehensweise) mir die erste Zeitschrift geschnappt, die mich ansprach, mir den schönsten Quilt rausgesucht und die Materialpackung bestellt. Das Top war super schnell genäht, ich schwamm auf meiner Welle der Euphorie, erfreute mich an den leuchtenden Farben der vielen verschiedenen Batik-Stoffe und war glücklich. Auch die 30 Meter schwarzen Schrägbandes hab ich -dank Schrägbandformer- fix selbst gemacht und (damals noch recht stümperhaft) aufgenäht. 

Das Top fertig, die Rückseite vorhanden, das Quiltsandwich lag vor mir. Dann kam das Verhängnis. Grün hinter den Quilter-Ohren hatte ich noch nie einen Kurs besucht und war in der Szene nicht vernetzt. Also war mir auch überhaupt nicht klar, dass das schöne Feder-Quiltmuster aus der Vorlage vielleicht nicht gerade das beste Anfängerstück für eine ungeübte Handquilterin ist. Dass man sowas auch mit der Maschine quilten kann, kam mir garnicht erst in den Sinn. Es kam wie es kommen musste: Nach 1-2 Streifen quälend langsamen Handquiltens landete das Teil in der Ecke. Das war im Sommer 2007.

Seitdem fristete er sein Schattendasein in meiner UFO-Kiste, wurde bei etwas 4-5 Umzügen mit geschleift und bei jedem „Wiederentdecken“ wuchs mein schlechtes Gewissen und die Frage, ob dieser Quilt jemals fertig gemacht wird. Die Wende kam im Januar 2016, als ich einen Handquiltkurs besucht habe und mich meines bunten Freundes erinnerte. Abermals enthusiastisch trennte ich auf was bisher gequiltet war und startete einen neuen Versuch. Federn und ich, wir werden keine Freunde mehr, das war mir mittlerweile klar. Also entschied ich mich, ein Zitat aus einem meiner Lieblingsbücher in die welligen Zeilen zu quilten. Leider musste ich nach einigen Zeilen feststellen, dass man aufgrund der knallbunten Vorderseite überhaupt nichts lesen kann und die Schrift auf der Rückseite natürlich spiegelverkehrt ist. Also wurde ein zweites Mal getrennt und ab jetzt von der Rückseite aus gequiltet. 

Nach abermals 2 Zeilen meinte ich, ein anderes Schriftdesign ausprobieren zu müssen. Ich wollte die Wörter schöner anordnen, den momentan so modernen „Kreidetafel“-Stil zu imitieren, bei dem jedes Wort eine andere Schriftart hat und sich daraus schöne, fast kalligraphische Texte ergeben. Aber ich musste erkennen, dass diese Idee zwar toll war, aber nicht wirklich mit der Technik des Handquiltens sinnvoll umsetzbar ist. 
Meine Geduld mit dem Quilt, der mittlerweile Spitznamen wie „Das bunte Grauen“ oder „Das ewige Elend“ hatte, war ausgeschöpft. 

Da fiel mein Blick bei einem Nähabend in meinem Lieblingsstoffladen auf die mietbare sit-down Longarm-Maschine. Also wurde ein drittes Mal getrennt, die Grundidee mit dem Spruch in den Zeilen wieder aufgegriffen und für einen Abend die Longarm gemietet. Der Spruch floss so schnell von der Nadel auf den Stoff, dass es mir fast Tränen in die Augen getrieben hätte. Nach einem Abend war der Spruch fast fertig, die restlichen paar Wörter beendete ich zuhause an meiner eigenen Maschine, der Rand war schnell improvisiert und nach 2 Fernsehabenden Binding annähen lag das Teil jetzt, nach fast 10 Jahren seit Nähbeginn, tatsächlich fertig vor mir. 

















Im Moment genieße ich dieses unfassbare Gefühl von Freiheit, wenn KEIN ewiges UFO in der Ecke sitzt und lauert und mich immer böse ankuckt, wenn ich einen neuen Quilt beginnen will. 

Was ich daraus gelernt habe: 2017 ist für mich das Jahr der UFOs. Es gibt da noch 2-3 Kandidaten, die auf Fertigstellung warten. Wenn ich die geschafft habe, werde ich zumindest versuchen, meine chaotische Arbeitsweise zu reformieren und immer brav einen Quilt nach dem anderen zu nähen. Vielleicht schaffe ich das ja sogar!

Das Modell ist übrigens „Swinging Colors“ von Claudia Pfeil, damals in der Burda Patchwork -Quilts und Applizieren -. Der Spruch stammt von Paulo Coelho’s „Veronika beschiesst zu sterben“ und bedeutet auf deutsch: Ich möchte weiterhin verrückt sein und mein Leben so leben, wie ich es mir erträume und nicht wie andere es von mir erwarten. Die Minute, als ich aufhörte mich darum zu kümmern was andere Menschen von mir denken und anfing, zu tun was ich will, ist die Minute, in der ich mich endlich begann, mich frei zu fühlen! (Frei übersetzt) Auf Englisch klingt er schöner!


Danke für's Lesen!

Linked: Allie and me design, creadienstag

Kommentare

  1. Einfach wunderschön ist dein Quilt...herrlich in den FArben und Batiks. Deine Geschichte dazu habe ich gerne gelesen....ja so ist es manchmal mit den Ufos...da kann ich auch ein Lied von singen.
    Ich bewundere deine Geduld des Auftrennens. Bei uns in der Gegend gibt es leider nicht solch eine mietbare Longarmmaschine....schade eigentlich.

    LG Klaudia
    https://klaudias-kreativ-world.blogspot.com

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    1. Danke für die Blumen :) Ja, Auftrennen geht leider wesentlich schneller als neu quilten! Ich hab mit meinem Lieblingsladen (www.quiltprofi.de) hier echt Glück!

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  2. Hallo Sabine,
    warum denn "Grauen" und "Elend"?? Sag doch einfach: "Gut Ding will Weile haben" !
    Dein Quilt ist wirklich ein richtig schönes Teil geworden. Gratulation hierzu. Ich bewundere immer wieder die Quilterinnen, die solch schöne Arbeiten machen. Selber krieg ich sowas nicht hin - man muß ja nicht alles können.
    Deine Geschichte hierzu hat mich an ein (mittlerweile entsorgtes) Strick-Uvo erinnert. Schön, daß du es geschafft hast.
    Herzliche Grüße aus dem schönen Oberbayern
    - Evi -

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    1. Danke für die Blumen :) Naja, am Ende hat mich das Teil echt Nerven gekostet, deshalb ist die Gesamtstimmung des Artikels etwas negativ ausgefallen :) Wirklich schwierig ist der Quilt nicht, der Top war auch echt schnell genäht.
      Liebe Grüsse,
      Sabine

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  3. oh, was ist der Quilt schön geworden!!!
    auch die Rückseite ist genial, ich konnte zwar mit dem Buch nix anfangen, es war einfach nicht meins, aber das Zitat ist toll!

    LG Agnes

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    1. Dankeschön! Ja, bei mir war es mit Coelho Liebe auf die erste Seite ;)

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